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Wanderlust – der Mindful Triathlon?

30. August 2016
Wanderlust - der Mindful Triathlon

Als ich das erste Plakat von Wanderlust sah, war mir sofort klar: da möchte ich dabei sein! Also meldete ich mich beim Team des MahaShakti Yogastudios an, auch wenn ich sechs Wochen im Voraus noch gar nicht sicher wusste, ob ich in der Stadt sein würde oder nicht. Das Schicksal war mir zum Glück wohlgesonnen und meiner Teilnahme stand nichts im Wege.

Der Sonntag kam und bereits morgens um 7 Uhr war sicher, es würde ein wunderschöner Tag werden. Der Himmel war klar, die Temperatur mild. Ich hatte meine Laufklamotten an und war bereit. Um 8 Uhr traf ich das MahaShakti Team beim Check-In. Die Organisation des Festivals war super. Check-In und Abgabe der persönlichen Sachen waren einfach und unkompliziert. Wir waren bereit für den ersten Tagespunkt: den 5-km-Lauf.

Lena, Laufen und latente Werbung

Roger Rekless, der den gesamten Tag moderierte, war wahnsinnig gut gelaunt und steckte alle mit seiner Energie an. Die Stimmung war großartig und alle waren heiß darauf, loszulaufen. Doch zuerst wurde noch der Ehrengast – ein deutsches Model – vorgestellt. Da habe ich zum ersten mal gestutzt. Was hatte ein Model bei einem Yogafestival verloren – noch dazu, wenn sie Botschafterin für den Sponsor des Festivals (eine Marke für Sportartikel) ist? Für mein Verständnis sind das recht gegenläufige Bewegungen – nach außen orientierter Konsum versus eine tief gehende Reise nach innen. Aber gut. Mir ist natürlich klar, dass der Festivalsponsor auch auf seine Kosten kommen wollte. Ich habe diesen Widerspruch also großzügig übersehen und mich lieber auf das etwas alberne, aber dennoch witzige Warm-Up der führenden Runnerin (ebenfalls vom Festivalsponsor, wer auch sonst) konzentriert. Dann ging es endlich los. Der Lauf durch den Park war ereignislos. Es gab keine, wie vielleicht erwarteten, besonderen Wegstreckenereignisse und so liefen wir einfach durch die Natur – bis wir im Ziel ankamen.

Das Festivalgelände

Bis zur Yogastunde war noch ein bisschen Zeit, die wir dazu nutzen, uns frisch zu machen, etwas zu trinken und uns auf dem Festival umzugucken. Insgesamt war es recht übersichtlich. Alles fand auf dem Coubertinplatz statt. Es gab eine kleine Bühne, von der aus das Festival musikalisch begleitet wurde, ein paar Zelte von Münchner Yogastudios und Yogamarken sowie drei Essensstände. Außerdem gab es kleine Side Events wie Slackline Kurse und Acro Yoga. Das Festival war gut besucht aber nicht ansatzweise so voll, wie ich erwartet hatte. Ich empfand das als sehr angenehm, weil es so keine langen Wartezeiten gab und das Gelände übersichtlich und luftig blieb.

Hip Hop Yoga

Schließlich wurden wir zur Yogastunde gerufen. Wir versammelten uns auf dem Asphalt vor der Bühne. Ich hatte eigentlich gehofft, dass wir auf einer Wiese üben würden, da ein etwas weicherer Untergrund als Asphalt sicherlich angenehm und auch das Gefühl, in der Natur zu sein so natürlich stärker gewesen wäre. Roger Reckless kündigte Jelena Lieberberg aus Berlin an und ab da dachte ich, ich wäre im falschen Film gelandet. Zu viel zu lauter Hip Hop Musik forderte Jelena uns erst mal auf, zu tanzen, während ihre Assistenten T-Shirts und ähnliche give-aways in die Menge warfen. Irgendwann durften wir dann endlich auf unsere Matte und ein paar Sonnengrüße üben. Leider wurde die Musik kein bisschen leiser gemacht, geschweige denn gewechselt. Ich konnte meinen eigenen Atem nicht mehr hören. Den zweiten Teil übernahm Jules Febres, ein Jivamukti Lehrer aus New York. Keine Besserung in Sicht. Jules leitete seine selbst getauften HipHopAsanas an, die aus Yoga Haltungen bestanden, in denen man zwischendurch zum Takt mit dem Hintern wippen sollte. Ich gebe zu, ich mag Hip Hop überhaupt nicht. Das sind natürlich schlechte Voraussetzungen für Jules Yoga Stil. Aber auch abgesehen von der Musikrichtung hat das für mich alles überhaupt nicht zusammen gepasst. Die furchtbar laute Musik, die überdrehten Lehrer und die wahllos aneinandergereihten Yoga Haltungen. Jules schien vor allem einmal zeigen zu wollen, welche tollen Armbalancen es im Yoga so gibt und wie großartig er darin ist. Dass viele der Teilnehmer vielleicht noch nicht so geübt sind wie er und eine Überforderung eigentlich nie Ziel von Yoga sein sollte, schien ihn weniger zu interessieren. Savasana, die wichtigste Yoga Haltung überhaupt, wurde natürlich ausgelassen. Ist ja schließlich keine Armbalance. Ich war ganz schön frustriert nach der Stunde – nicht, weil ich auch nicht alles konnte, sondern weil das für mich einfach nichts mit Yoga und mindfulness (Achtsamkeit, dem Motto des Festivals) zu tun hatte. Wie sollte man sich bei dem Lärm denn auf sich und seine Atmung konzentrieren? Zum Glück gab es noch die Meditation.

Eine achtsame halbe Stunde dank Noah Levine

Die Meditation fand direkt im Anschluss an die Yogastunde statt. Ich erwartete nicht mehr viel, doch dann überraschte mich Noah. Er begann mit einer kurzen Einführung zu Meditation und Achtsamkeit. Er beschrieb, dass Achtsamkeit darin besteht, den Augenblick so wahrzunehmen, wie er ist und ihn bedingungslos anzunehmen statt mit ihm zu hadern. Und er erzählte, dass er die Läufe beim Wanderlust immer gerne mitmachte, weil er es genießen würde, jeden Schritt im Moment zu verbringen. Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich bis dahin noch keinen einzigen Augenblick, seit ich das Festival betreten hatte, im Moment gelebt hatte – das, was ich mir eigentlich von diesem Mindful Triathlon erhofft hatte. Meine Enttäuschung stieg.

Zum Glück rettete Noahs geleitete Meditation den Tag für mich. Endlich konnte ich mal abschalten, mich spüren, im Moment ankommen. Die Meditation ging richtig tief und brachte mich in einen völlig anderen, friedlichen und ausgeglichen Zustand. Und ich hatte den Eindruck, dass es den anderen Teilnehmern auch so ging. Wir hielten kollektiv inne. Danach war alles ruhiger, entspannter, nicht mehr zwanghaft aufgeputscht. Ich schloss meinen Frieden mit dem Festival und verbrachte die nächsten Stunden mit Freunden im Schatten der Bäume.

BAX® Workout

Schließlich besuchten wir noch das letzte Side Event, das BAX® Workout. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Nur soviel: es war sauanstrengend. BAX® steht für Body Art Extreme und das war es auch – ein hochintensives Training, wahrscheinlich mit dem Ziel, möglichst viel Fett zu verbrennen. Wenn ich Fitness erreichen möchte, ist das sicherlich eine legitime Trainingsform, aber mir haben auch hier jegliche yogische Aspekte gefehlt. Statt mir etwas Gutes zu tun habe ich mich körperlich eindeutig überfordert und verspannt.

Weniger Kommerz – mehr Achtsamkeit

Wochenlang habe ich mich wirklich auf die Veranstaltung gefreut. Mindful Triathlon mit Laufen, Yoga und Meditation klang für mich nach einem wundervollen Tag, an dem ich an der frischen Luft einmal richtig durchatmen und eine kleine, geleitete Reise zu mir Selbst machen könnte. Abgesehen von der Meditation war das leider nicht der Fall. Stattdessen fand ich mich auf einem stark kommerzialisierten Event wieder, das die Besucher eher von sich selbst ablenkte als zu sich führte.

Insgesamt hatte ich dennoch einen schönen Tag mit meinem Team. Für das nächste Mal würde ich mir wünschen, dass sich die Organisatoren von ihrem amerikanischen Vorbild lösen und dem Thema Achtsamkeit mehr Aufmerksamkeit schenken. Statt auf Biegen und Brechen ein Event aus der ganzen Sache machen zu wollen, könnte man das Festival deutlich einfacher und entspannter gestalten und den Fokus auf Yoga und das ungezwungene Beisammensein legen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich darüber einige Yogis sehr freuen würden!

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