Soul

Interview mit Veronika Rössl – Die ewige Schülerin

14. Juli 2016

veronika-roessl Diese Woche konnte ich Veronika Rössl, Inhaberin des seit 12 Jahren bestehenden Münchner Yogastudios MahaShakti, für ein Interview gewinnen. In drei Teilen erzählt sie uns, wie sie zum Yoga kam, wie das MahaShakti entstand und was ihr das Studio bedeutet.

Heute, im ersten Teil des Interviews, erfahren wir, wie Yoga Veronikas Leben von Kind an prägte, welche Lehrer sie nachhaltig beeinflussten und warum sie so viele verschiedene Ausbildungen im Bereich der Heilarbeit hat.

TWOY: Veronika, du machst Yoga schon seit deiner Kindheit. Dein Weg hat dich aber vorerst in eine andere Richtung geführt. Du hast BWL studiert, eine eigene Firma gegründet, für große Konzerne gearbeitet und dann erst dein Yogastudio eröffnet. Wie kam dieser Umweg?

VERONIKA: Ich sehe das gar nicht als Umweg. Ich habe mein Leben lang Yoga gemacht. Das ist mir allerdings erst in der Ausbildung zur Yogalehrerin bewusst geworden als ich merkte, dass das, was ich als Kind auf meiner grünen Matte gemacht habe, Yoga [Haltungen] waren. Statt meine Hausaufgaben zu erledigen habe ich immer erst die Königskobra, Hanumanasana [Spagat] und viele andere Haltungen geübt, ohne zu wissen, dass das Yoga ist. Ich habe mir sogar eine eigene kleine Reihe mit Strichmännchen aufgemalt, die ich dann täglich für mich übte. Während meiner Pubertät, dachte ich, ich hätte nicht mehr geübt. Mein damaliger Freund meinte später aber zu mir, er hätte mich gesehen, wie ich täglich Übungen gemacht habe. Yoga gehört einfach mein Leben lang zu mir.

Statt meine Hausaufgaben zu erledigen habe ich immer erst die Königskobra, Hanumanasana [Spagat] und viele andere Haltungen geübt, ohne zu wissen, dass das Yoga ist.

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Veronika in Hanumanasana

TWOY: Das heißt, du hast Yoga eher intuitiv gemacht und warst gar nicht bei einem Lehrer?

VERONIKA: Ja, es war eher intuitiv. Ich glaube allerdings schon, dass unser Grundschullehrer, der auch Pantomime mit uns übte, mal eine Yogastunde mit uns gemacht hat. Ich habe dann mit einer Freundin zusammen einfach weiter meinen Körper bewegt. Und wie gesagt, ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass das Yoga war. Während der Yogalehrer Ausbildung bei Sivananda bin ich richtig erschrocken, als wir die Königskobra gemacht haben und ich mich erinnerte, das als Kind schon geübt zu haben ohne dass mir diese Übung gezeigt wurde oder ich wusste, wie man sie nennt. Meine erste ‚angesagte Reihe‘ übte ich mit 28 bei Sivananda, davor habe ich immer frei geübt. Zur Meditation bin ich eigentlich gekommen, weil ich mit 23 Jahren sehr krank geworden bin. Ich habe mich in erster Linie für Zen Buddhismus interessiert und mein erstes Zen Sesshin erlebt. Das ist wie Vipassana [10-tägiges Schweigeseminar] nur aus buddhistischer Sicht. Ich dachte, ich gehe zu einem Anfänger Meditationskurs und dann war ich in der strengsten Form. Das war ein ziemlicher Horror muss ich sagen (lacht). Insgesamt war ich ein Dreiviertel Jahr krank und man wusste nicht so richtig, was es

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Veronika als Stewardess

war. Ich hatte ziemliche Schmerzen. Meditation, Yoga und Atemtechniken haben mir in der Zeit sehr geholfen. Als ich dann Stewardess war, stellte ich fest, dass man überall meditieren und auch ein paar Asanas machen kann. Das tat mir sehr gut. Zwischendrin habe ich tatsächlich auch „ganz normal“ gearbeitet, also eine wirtschaftliche Ausbildung gemacht. Da hatte ich schon die Idee „Gründung eines Yogacenters“ – das war meine Diplomarbeit.

TWOY: Dann hat sich Yoga ja wirklich immer durch dein Leben durchgezogen.

VERONIKA: Ja und in mir war offensichtlich immer der Wunsch, Yoga weiterzugeben. Es war für mich allerdings eher unterbewusst, aber mein Umfeld war überhaupt nicht erstaunt, als ich dann quasi endlich hauptberuflich mit dem Yoga begonnen habe. Gegründet habe ich das MahaShakti 2002. Die Preise musste ich richtig kalkulieren. Es gab ja niemanden, an dem ich mich hätte orientieren können. Da war noch Sivananda, Iyengar und ein Studio in der Innenstadt, aber die hatten ganz andere Preise. Ich habe mir das richtig ausgerechnet und überlegt, wann ich welche Stunden anbiete. Die Umsetzung hat dann nochmal etwas gedauert, weil ich überhaupt kein Eigenkapital hatte. Ich habe alle aus meinem Umfeld zu Sivananda und Iyengar geschickt, habe selber in der Zeit viele Ausbildungen in Heilarbeit und ganzheitlichen Techniken gemacht und auch da immer alle hin weitergeleitet, bis sie irgendwann sagten: „Veronika, mach’s selber. Du kannst das, du hast die ganzen Tools, mach’s!“.

In mir war unterbewusst immer der Wunsch, Yoga weiterzugeben.

TWOY: Das bedeutet, dass deine vielen Ausbildungen in Heilarbeit, Schamanismus, Meditation und Craniosacraler Therapie in dieser Zeit nebenher gelaufen sind? Dieses Wissen war also schon da, als du das Studio eröffnet hast?

VERONIKA: Ein Teil davon, zum Beispiel das Systemische Stellen. Auch meine Ausbildungen haben sich ganz witzig ergeben. Ich hatte zu der Zeit angefangen, Yoga Privatstunden zu geben und in diesen Sitzungen dann immer wieder anstatt eine Yogastunde zu geben Heilarbeit angeboten, da ich gesehen habe, wo bei den Menschen eine Thematik sitzt. Oft habe ich dann etwas gemacht, wozu derjenige meinte „Das ist ja wie Chakra Clearing oder wie Craniosacrale Therapie oder wie Seelen-ziehen-lassen aus dem Schamanismus“. Das war der Moment, an dem ich die Methode gegoogelt habe und ganz erstaunt war, dass es für das, was ich mache, einen Namen gibt. Daraufhin habe ich diese Methode dann tatsächlich auch gelernt. Das mache ich immer noch so. Gerade mache ich wieder eine Ausbildung in schamanischer Heilarbeit und das Tolle ist, dass ich zwar einiges intuitiv schon weiß, aber immer viel dazu lerne.

TWOY: Woher kommt dein großes Interesse für so viele verschiedene Themen?

VERONIKA: Für mich ist das alles irgendwie das Gleiche und auch nicht. Es gibt einfach gewisse Themen, bei denen bestimmte Techniken am besten funktionieren. Einerseits habe ich ganz viel Ruhe in mir, andererseits ganz viel Unruhe (lacht).

TWOY: Schön, dass es anderen auch so geht!

VERONIKA: Ja und ich mag es auch, wenn alles ganz schnell geht. Ich muss mich da wirklich manchmal bremsen und zügeln! Deswegen macht man ja auch sein Leben lang das, was man braucht. Ich glaube, ohne Meditation wäre ich schon längst verrückt geworden. Auch Yoga erdet mich sehr. Ich finde es für den Menschen gut, wenn er das für sich tut, was er in diesem Moment am meisten braucht. Reinkarnationstherapie zum Beispiel hilft tatsächlich bei Themen, bei denen du noch fünf weitere Leben Yoga machen könntest – was ja ok ist – oder du schaust dir eben jetzt schon an, was dahinter steckt. Ob man es als anderes Leben betrachtet oder als Überzeugungsmuster, die in unserem Unterbewusstsein gespeichert sind, ist egal. Wichtig ist, dass wir uns die Themen anschauen und sie befrieden. Dann tut sich auch körperlich so viel! Das finde ich so spannend daran. Deswegen mache ich immer wieder gerne weitere Fortbildungen und biete nun schon über 12 Jahre all diese wundervollen Techniken in Einzelsitzungen an.

TWOY: Du machst die Ausbildungen also aus persönlichem Interesse und für die persönliche Weiterentwicklung, möchtest dein Wissen aber auch weitergeben?

VERONIKA: Ja, das ist im Prinzip mit Allem so. Es liegt praktisch alles auf meinem Weg der Erkenntnis. Alles, was mir aus eigener Erfahrung gut tut, gebe ich gerne weiter. Und es ist sehr wichtig, sich immer weiterzubilden und gute, starke Lehrer zu haben. Ich finde es schön, selber immer wieder Schüler zu sein. Man bleibt am Boden. Es tut uns Menschen gut, immer wieder, ohne dass es hierarchisch wird, zu erfahren „da kann mir jemand etwas beibringen“. Und klar, man wächst selbst. Die Japaner und Chinesen haben ja auch ganz viele tolle Techniken wie Shiatsu und Tai Chi. Die lasse ich aber alle aus. Das entspricht mir zum einen nicht so und wird sonst auch zu viel (lacht wieder).

Es ist sehr wichtig, sich immer weiterzubilden und gute, starke Lehrer zu haben.

TWOY: Dann musst du noch zwei Leben dranhängen, oder?

VERONIKA: Genau, das mache ich dann in meinen nächsten Leben.

TWOY: Du hast gerade gesagt, es tut gut, auch weiter Schüler zu sein und gute Lehrer zu haben. Wer sind denn die Lehrer, die dich stark prägen und inspirieren?

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Veronika wird in einem Tempel in Madras geweiht

VERONIKA: Die sind alle nicht sonderlich bekannt, zumindest nicht in der breiten Masse. Es gab natürlich schon auch einige, darunter auch Yogalehrer, die mich geprägt haben, weil sie Dinge nicht so positiv gemacht haben. Davon kann man auch lernen. Aber die, die mich wirklich stark positiv geprägt und mir sehr geholfen hat, heißt Noora Gröger. Sie ist in der Nähe vom Fuschlsee und ebenfalls breit aufgestellt. Sie war die erste Person, bei der ich festgestellt habe, dass sie mehr sieht und spürt als die übliche Masse. Von den Lehrern bei Sivananda habe ich auch sehr viel gelernt, obwohl es bei ihnen – so wie fast überall – seine Für und Wider gibt. Nichtsdestotrotz konnte ich da sehr viel lernen, vor allem über die Philosophie, die eigene Persönlichkeitsentwicklung und Zeitmanagement in der Ausbildung. Meditation wird dort sehr gepflegt und die Sivanandas sind für mich Menschen, die versuchen, ihre Lehren zu leben. Zumindest wirkt es so. Immerhin entsagen sie sich komplett dieser Welt und leben als Mönche. Von einer Lehrerin, die nicht mehr lebt, Ayya Khema – sie ist recht bekannt aus der Theravada Tradition des Buddhismus – habe ich die Liebende-Güte-Meditation und viele wundervolle andere Wahrheiten gelernt. Ich war wahrscheinlich eine der ersten, die das so im Yoga mit eingebracht hat. Es war eher untypisch im Yoga auf das Herz zu schauen – mit Ausnahme des Bhakti Yoga vielleicht. Ich kannte vom Yoga selbst keine Meditationen, die das Herz Chakra so bearbeiten und öffnen. Das habe ich von ihr und bin sehr dankbar dafür. Heute gibt es viele Yoga Richtungen, die die Herzenergie öffnen und auch die energetischen Aspekte beachten, was ich sehr schön und bereichernd finde.

TWOY: Vielen Dank für deine offenen Worte. Ich freue ich schon auf den nächstenTeil!

Lies nächste Woche mehr über die Gründung und Entwicklung des MahaShakti sowie Veronikas Erfahrungen und Prinzipien als Studioinhaberin.

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2 Kommentare

  • Antworten Petra 14. Juli 2016 at 23:21

    Liebe Yamina,

    mir gefällt deine Interviewidee sehr gut. Besonders bemerkenswert ist für mich Veronikas Statement, dass es uns immer wieder gut tut, Schüler im nicht hierarchischen Sinn zu sein. Es hält uns lebendig und flexibel in unseren Gedanken, wenn wir unser eigenes Wissen immer wieder erweitern und in Frage stellen können. Ich lese aus deinem Interview heraus, dass Veronika eine tolle Lehrerin ist, die die Philosophie des Heilens verinnerlicht hat, also authentisch ist. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

    Liebe Grüße,
    Petra

    • Antworten Yamina 15. Juli 2016 at 13:53

      Liebe Petra,

      ich danke dir für deinen Kommentar! In der Tat ist Veronika eine authentische, kluge Lehrerin. Das Interview war auch für mich persönlich sehr bereichernd! Der zweite Teil folgt nächste Woche und ist nicht weniger spannend 🙂

      Liebe Grüße zu dir!
      Yamina

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